Die Massschuhmacherin im 3. Lehrjahr, Tabea Perrino, stellt ihr Handwerk vor.

Zudem ist Carmens Museumsbeizli geöffnet.

Rösli Zeller

Zum Abschluss der Saison, am Sonntag, 26. Oktober, laden die Museumsverantwortlichen auch dieses Jahr zu einem kleinen Fest in die Museumsräume ein. Als besonderen Gast konnte Tabea Perrino aus Kriessern gewonnen werden. Die 22jährige Frau lebt in Berlin und bildet sich im 3. Lehrjahr zur Massschuhmacherin aus. Die Bilderausstellung von Ruedi Schegg kann noch einmal besichtigt werden. Zudem wird in Carmens Museumsbeizli zum gemütlichen Verweilen eingeladen.

Über 200 Arbeitsschritte

Sie habe sich schon immer sehr für Schuhe interessiert, vor allem für das Design. „Als Maturaarbeit durfte ich gemeinsam mit einem Schuhmacher mein erstes Paar Schuhe bauen“, sagt die junge Frau. Die Arbeit sei wirklich vielseitig, denn es brauche über 200 Arbeitsschritte für das Herstellen eines Paars Schuhe. Ausserdem wäre es sehr schön, nach all den Jahren Schule einmal etwas Handwerkliches herstellen und am Ende das Ergebnis nicht nur in den Händen halten sondern sogar tragen zu können, blickt sie zurück und gleichzeitig in die Zukunft. Den Massschuhmacher-Beruf habe sie unbedingt erlernen wollen.

Weshalb so weit weg

Der Massschuhmacher-Beruf ist sehr selten, deshalb hat sich Tabea Perrino in Deutschland, Österreich und der Schweiz für eine Lehre beworben. Die Probearbeiten hatten die Massschuhmacherei Hennemann in Berlin überzeugt und auf Anhieb habe es gepasst. Bei der renommierten Hennemann werden je zur Hälfte Damen- und Herrenschuhe hergestellt. „Natürlich sind viele Klassiker dabei aber auch ganz aussergewöhnliche, spezielle Modelle. Dies macht besonders viel Spass“, blickt die Schuhmacherin auf ihre Tätigkeit zurück.

Der Traum vom eigenen Atelier

Eine eigene Werkstätte sei am Ende der Ausbildung, dem Gesellenbrief und nach einer weiteren Tätigkeit bei Kirstin Hennemann das ferne Ziel. Möglichst bald an die erste Ausbildung möchte die strebsame Schuhmacherin den Meister „anhängen“. Sie könne sich nicht vorstellen, wieder in der Schweiz zu wohnen. Am liebsten hätte sie irgendwann ihren eigenen Laden in Berlin.

Was zeigt Tabea Perrino am Saisonabschlussfest? Sie wird einen Schaft aus Cordovanleder (Pferd) zwicken, das heisst, das Oberteil wird über den Leisten gezogen und fixiert. Zudem steht sie gerne für Fragen bereit.

 

Bereits als Primarschüler zeichnerische Talente entwickelt

 

Eine Bilderausstellung mit Werken des vor fünf Jahren verstorbenen Ruedi Schegg wurde mit einer Vernissage im Museum Rothus eröffnet. Überaus zahlreiche Besucher wohnten dem Anlass bei.

Rösli Zeller

Oberriet. Der in der Bäckerei Schegg im Buck in Oberriet aufgewachsene Ruedi Schegg besuchte beruflich viele Länder. Seine Stickereientwürfe waren bei renommierten Häusern sehr begehrt. Der Stickereientwerfer und Kunstmaler habe schon als Primarschüler jede freie Minute beim Zeichnen und Malen verbracht, sagte sein Bruder Fredy Schegg in der Laudatio.

Nahezu 2000 Bilder gemalt

Sein Schaffen war immens. Allein die vielseitige Ausstellung in der Rats- und Lüchingerstube sowie im Estrich vermittelt einen breiten Querschnitt durch Scheggs unermüdliches Zeichnen und Malen. Das Helfen in der Backstube überliess er noch so gerne seinem jüngeren Bruder Fredy (der den elterlichen Betrieb übernahm) oder der älteren Schwester Helen (sie wohnte der Vernissage bei). „Es ist nur ein kleiner Querschnitt, den Interessierte im Museum bestaunen können. Seiner Lebtag hat Ruedi gemalt und gezeichnet, bis zu 2000 Werke sind dabei entstanden“, so Fredy Schegg.  Er und seine Schwester finden, dass die Bilder wunderbar in die Museumsräume passen und bestens zur Geltung kommen. Nach der Ausbildung in St. Gallen reiste der hoch talentierte Berufsmann für seinen Lehrbetrieb nach Malaga. Weitere In- und Auslandaufenthalte folgten. Seine „Stickereien“ waren gefragt. Selbst für Königshäuser und viele Reichbetuchte, sei es in Brunei, Persien, England, Italien oder Frankreich, wurden Scheggs Zeichnungen verwendet. „Ruedi war und blieb ein äusserst einfacher Mensch. Luxus sagte ihm gar nichts. Wein, Käse und Nüsse, liebte er und davon hatte er immer in seinem Atelier auch für Besucher“, blickte Fredy Schegg auf den 2009 verstorbenen Künstler zurück.

Kunst und Kultur

Nur mit dem Ausstellen von alten Gegenständen habe ein Museum keine Überlebenschance. Kunst und Kultur steigere die Attraktivität, hielt Alfons Ammann, Co-Präsident des Museumsvereins in seinem Eröffnungswort fest. Ein örtliches Museum müsse einheimischen Kunstschaffenden Raum bieten und damit Grund schaffen, um es aufzusuchen. Die grosszügige ideelle und finanzielle Unterstützung durch Helen und Fredy Schegg würdigte Ammann.

Die Ausstellung „Ruedi Schegg – Ein Querschnitt aus seinem reichen Schaffen“ ist bis zum Saisonabschluss, 26. Oktober, zugänglich.

 

In Wollerau auf einem Bauernhof verbrachte Charly Iten seine Kinder- und Jugendjahre. Später arbeitete er als Autospengler und Autospritzer bei seinem Bruder in Lüchingen, wo er heute noch wohnt und sein Hobby pflegt.

Zigeunern das Handwerk abgeschaut

Ihr Land habe damals an einen Wald gegrenzt. „Während den Sommermonaten kamen immer Zigeuner mit dem Handwagen mit einer Plache versehen und lebten im Wald“, blickt Charly Iten in seine Kindheit zurück. Es waren noch echte Zigeuner, die das Korben beherrschten. Oftmals schaute er ihnen als Schüler bei der Arbeit zu und probierte es zu Hause selber aus. Mit der Zeit verfeinerte Iten das Flechten mit den Wildmaterialien und lernte auch verschiedene Kniffe kennen. Seine Schwägerin Verena schenkte ihm später ein Buch zum Thema „Korbflechten“. Da konnte er noch einiges dazulernen. „Das Korben machte ich nie zum Geldverdienen und mache dies auch heute nicht. Das Korben war und blieb seine Freizeitbeschäftigung nebst dem Pflegen eines kleinen Gemüse- und Obstgartens.

Reine Naturmaterialien

Die Körbe, vom kleinsten Körblein bis zu Zainen, sind alles Eigenkreationen. Die Materialien sind Natur pur. „Ich verwende Weiden-, Hartriegel- und Ligusterruten, die ich beim Rhein draussen oder in Windschutzstreifen schneide“, sagt Charly Iten. Die Hartriegelruten verleihen den Körben mit der intensiven roten Farbe ein besonderes Gepräge.

Für das Demonstrieren, am Sonntag, 24. August von 14 bis 17 Uhr im Museum Rothus, hat Iten bereits einiges vorbereitet. Für Kinder, die ins Museum kommen, hat er kleine aber besonders hübsche Überraschungen bereit, die sie unentgeltlich mitnehmen dürfen. (rz)