Das Schlussfest  zum Ende der Museumssaison ist zu einer geschätzten Tradition geworden und lockt entsprechend viele Interessierte an. Das wunderbare Herbstwetter trug ein Übriges zum grossen Besucheraufmarsch bei. Vor dem Museum zeigte Tabea Perrino, wie das Schuhmachen von Grund auf vor sich geht. Die im dritten Ausbildungsjahr stehende junge Frau erlernt das Handwerk in Berlin bei der renommierten Schuhmacher-Manufaktur, Massschuhmacherei Kirstin Hennemann.

Bis 300 Arbeitsschritte

Zur Erstellung eines Paars Massschuhe benötigt die Schuhmacherin, der Schuhmacher drei bis vier Termine. Dazu gehören das Massnehmen, die Modellabsprache und unter anderem das Erstellen eines transparenten Kunststoffprobeschuhs. Erst dann wird der Schaft genäht und über den Leisten gezwickt, so dass eine Zwischenprobe mit dem Originalmaterial möglich ist. Nach ungefähr 300 Arbeitsschritten ist die Arbeit vollbracht. Wie von Tabea Perrino zu erfahren war, hat sich vor allem der klassische Herrenschuh in seiner Form, in seinem Design kaum verändert. „Verschiedene Arbeiten werden seit dem Mittelalter praktisch unverändert ausgeführt. Selbst Werkzeuge sehen noch gleich aus“, sagt die angehende Massschuhmacherin. Werden für die aufwändigen Schuhe für gewisse Arbeitsschritte einige Stunden aufgewendet, so geschehe dies zum Beispiel in China vollautomatisch in wenigen Sekunden.

Kunstwerke, Kuchen, Kürbissuppe, Kaffee

In den Museumsräumen konnten noch einmal Gemälde von Ruedi Schegg besichtigt werden. Zudem bestand Gelegenheit, verschiedene museumseigene Filme anzuschauen. In der Ratsstube herrschte ein Kommen und Gehen, denn Carmens Museumsbeizli lud zum gemütlichen Verweilen bei kulinarischen Köstlichkeiten ein.

Auch im kommenden Jahr verzichtet das Museum Rothus auf das Erheben eines Eintritts. 

Rösli Zeller

 

Die Massschuhmacherin im 3. Lehrjahr, Tabea Perrino, stellt ihr Handwerk vor.

Zudem ist Carmens Museumsbeizli geöffnet.

Rösli Zeller

Zum Abschluss der Saison, am Sonntag, 26. Oktober, laden die Museumsverantwortlichen auch dieses Jahr zu einem kleinen Fest in die Museumsräume ein. Als besonderen Gast konnte Tabea Perrino aus Kriessern gewonnen werden. Die 22jährige Frau lebt in Berlin und bildet sich im 3. Lehrjahr zur Massschuhmacherin aus. Die Bilderausstellung von Ruedi Schegg kann noch einmal besichtigt werden. Zudem wird in Carmens Museumsbeizli zum gemütlichen Verweilen eingeladen.

Über 200 Arbeitsschritte

Sie habe sich schon immer sehr für Schuhe interessiert, vor allem für das Design. „Als Maturaarbeit durfte ich gemeinsam mit einem Schuhmacher mein erstes Paar Schuhe bauen“, sagt die junge Frau. Die Arbeit sei wirklich vielseitig, denn es brauche über 200 Arbeitsschritte für das Herstellen eines Paars Schuhe. Ausserdem wäre es sehr schön, nach all den Jahren Schule einmal etwas Handwerkliches herstellen und am Ende das Ergebnis nicht nur in den Händen halten sondern sogar tragen zu können, blickt sie zurück und gleichzeitig in die Zukunft. Den Massschuhmacher-Beruf habe sie unbedingt erlernen wollen.

Weshalb so weit weg

Der Massschuhmacher-Beruf ist sehr selten, deshalb hat sich Tabea Perrino in Deutschland, Österreich und der Schweiz für eine Lehre beworben. Die Probearbeiten hatten die Massschuhmacherei Hennemann in Berlin überzeugt und auf Anhieb habe es gepasst. Bei der renommierten Hennemann werden je zur Hälfte Damen- und Herrenschuhe hergestellt. „Natürlich sind viele Klassiker dabei aber auch ganz aussergewöhnliche, spezielle Modelle. Dies macht besonders viel Spass“, blickt die Schuhmacherin auf ihre Tätigkeit zurück.

Der Traum vom eigenen Atelier

Eine eigene Werkstätte sei am Ende der Ausbildung, dem Gesellenbrief und nach einer weiteren Tätigkeit bei Kirstin Hennemann das ferne Ziel. Möglichst bald an die erste Ausbildung möchte die strebsame Schuhmacherin den Meister „anhängen“. Sie könne sich nicht vorstellen, wieder in der Schweiz zu wohnen. Am liebsten hätte sie irgendwann ihren eigenen Laden in Berlin.

Was zeigt Tabea Perrino am Saisonabschlussfest? Sie wird einen Schaft aus Cordovanleder (Pferd) zwicken, das heisst, das Oberteil wird über den Leisten gezogen und fixiert. Zudem steht sie gerne für Fragen bereit.