Roman Bont, den viele als «Mr. Mini Mack» kennen, besuchte seinen Heimatsort, nachdem er sein Leben lang mit einem selbst umgebauten Lastwagen und später mit dem Trottinett durch die Welt gereist ist.

Mit dem Trottinett reiste der Basler um die ganze Welt. Fahrzeug und Lenker wogen zusammen 140 Kilo. (Bild: pd)

 

In Cowboyhut und Weste tauchte der welterfahrene Basler Roman Bont im Ortsgemeindesaal Eichenwies letzten Freitag auf, um dem Museumsverein Oberriet und einem äusserst interessierten Publikum seine Lebensgeschichte zu erzählen. 

In schweren Verhältnissen wuchs Roman Bont in Oberriet auf. Sein Vater war Alkoholiker und er selbst litt an einer Hirnhautentzündung. Von seiner Familie wurde er ins Heim abgeschoben, denn er konnte nicht gut sprechen – er stotterte. Seine Mutter riet ihm immer, die Welt zu sehen, reisen zu gehen. Nach der Zeit im Heim startete er ein abenteuerliches und einmaliges Leben.

Sein wichtigstes Ziel war es immer, Geld zu verdienen. In Antwerpen, Belgien, ging er mit 16 Jahren aufs Schiff und arbeitete dort. Später verdiente er sein Geld mit Blut spenden, als Speditionsarbeiter, auf dem Feld oder sogar als Statist in Westernfilmen mit Berühmtheiten wie Sean Connery oder Clint Eastwood. Zuletzt arbeitete er am liebsten als Chauffeur. 

Der Mini Mack erregt  weltweit Aufmerksamkeit

Seine zündende Idee, wie es im Roman «Mein Name ist Bont» beschrieben wird, hatte er im Alter von 37 Jahren. Er kaufte sich den VW LT, den er auf dem Gelände in Münchenstein, seinem jetzigen Wohnort, stehen sah. Er wollte etwas Grosses daraus machen, etwas, das man nicht vergisst. Auf das Dach baute er eine Schlafkabine. Innen und aussen rüstete er das Auto zum Schwertransporter um. Den Knauf des Schalthebels modelte er zur vergoldeten Bulldogge um – das Markenzeichen der amerikanischen Mack-Lastwagen. In der Lastwagenszene wurde der Mini Mack, wie man ihn später nannte, schnell bekannt. Das deutsche Magazin «Fernfahrer» setzte ein Foto vom Lastwagen auf die Titelseite und von da an gewann der Mini Mack schnell an Ansehen. Unter der Woche arbeitete Roman Bont als Chauffeur und am Wochenende ging er an Truck-Shows, wo er einige Pokale gewinnen konnte. Das Publikum erwartete den Mini Mack bereits. Auf seinen Reisen durch Amerika und später Australien wurde Bont von Autofirmen gesponsort und konnte gratis reisen oder bekam einen Unterschlupf und etwas zu essen.

Japan und Südkorea standen danach auf dem Plan. Die Japaner gefielen ihm besonders gut. Sie freuten sich, als der Mini Mack ihre Dörfer passierte. Er kam auf die verrückte Idee, den Fujiyama (3776 Meter) mit einem Velo auf dem Rücken zu erklimmen. Runter fahren konnte er allerdings nicht. Also schleppte er das Velo wieder mit. 

Um nach Südkorea zu reisen, musste er zuerst mit der Schweizer Botschaft Kontakt aufnehmen, da normalerweise kein Fahrzeug eingeführt werden darf. Mit einer Spezialbewilligung konnte er dann einreisen. Zusammen mit dem Schweizer Botschafter fuhren sie durch die militärische Sperrzone an die streng kontrollierte Grenze zu Nord­korea. Niemand sonst durfte 
diese Zone besuchen, aber die Botschaft bestand darauf, ihn zu empfangen. Zum Abschied schenkten die Soldaten ihm zwei Medaillen mit dem Signet der Vereinten Nationen. 

Spendenaktion für krebskranke Kinder

Mit der Zeit konnte Roman Bont etwas Geld zusammenbringen – sei es durch das Chauffieren oder die Truck-Shows. In Australien las er dann einen Artikel, der ihn betroffen machte: Er handelte von krebskranken Kindern. Zu dieser Zeit konnte er erstmals machen, was er wollte. Jenen Kindern war diese Möglichkeit nicht gegeben. «Da schlug es mir ein», sagte er. 

Als er wieder in der Schweiz war, sah er Kinder auf den Strassen mit Trottinetts herumtollen und wusste sofort: Das ist es. Er liess sich ein Trottinett umbauen, damit es tüchtig für eine Weltreise war. Sein Ziel war es, auf der Reise Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln. In Kanada startete er und versuchte, möglichst viel Aufmerksamkeit in den Medien zu erlangen. 

Er suchte den Kontakt in der Botschaft jedes Landes, das er durchquerte, und erzählte von seinem Plan. Alle Firmen, die spenden wollten, sollten das Geld direkt auf die Konten der Hilfsorganisationen übertragen. Er selbst wollte kein Geld annehmen. Jedes Land unterstützte ihn, wobei er viele Persönlichkeiten kennenlernte. Hilton-Chef Urs Hitz sorgte dafür, dass Roman Bont in den Hilton-Hotels gratis übernachten konnte und ein Unternehmen organisierte ihm Gratisflüge. Staatschefs und Politiker bewunderten ihn und luden ihn zur Übernachtung in Hotels ein. 

Mit dem Trottinett legte er pro Tag 80 bis 100 Kilometer zurück. Die Polizei stellte ihm sogar einen Fahrzeugausweis für das Trottinett aus: Sitzplatz: 1, Kubik: 1 Fusszylinder, Farbe: rot, Nummernschild: BL007. «Alle lachten, als sie den Fahrzeugausweis sahen», sagte Bont. Sein wichtigster Grundsatz war immer, dass er kein Geld für sich selbst annahm. Er lebte sehr bescheiden, mit fünf Franken pro Tag. Ab und zu hielt jemand an, fragte, ob er kein Benzin mehr habe oder wieso er laufe. Viele gaben ihm etwas zu essen oder zu trinken.  Insgesamt legte er mit dem Trottinett knapp 22000 Kilometer in 18 Monaten zurück.

Narben werden nie ganz verheilen

Wieder in der Schweiz angekommen, traf ihn ein tragisches Schicksal, noch bevor er hatte weiterreisen können. Er war mit Kollegen nach Tourschluss in der Tankstelle, als ein mit Drogen vollgepumpter Räuber den Laden betrat. Noch bevor sie im Büroraum angelangten, wie er es ihnen befahl, schoss der Räuber. Von 33 abgefeuerten Schüssen, trafen 29 Roman Bont – er hatte das Pech, der Letzte in der Reihe gewesen zu sein. Seine Narben verheilten nie ganz, doch schlimmer traf es seine Psyche. Trotz eines Wachhundes schläft der 76-Jährige schlecht und wacht bei jedem Geräusch auf. 

Roman Bont ist noch immer dauernd unterwegs. Er sei schon immer so gewesen. Andere Leute interessierten ihn, sagte er. 

(Carmen Kaufmann)